Eine Zeugin: Die Großmutter bat: «Töten Sie mich, aber fassen Sie die Kinder nicht an!» (Video)

Infolge des Krieges sind die Einwohner von Dörfern in vielen Regionen der Ukraine obdachlos  geworden. Ihre tragischen Geschichten sind unterschiedlich, aber alle haben eines gemeinsam: Die  Besatzungstruppen der Russischen Föderation sind nicht daran interessiert, dass die Ukrainer in ihren  Häusern, in ihren Städten und Dörfern bleiben. Diese Geschichten sind ein Beweis dafür, dass das Ziel  nicht nur darin besteht, die Regierung in Kyjiv zu wechseln. Das Ziel war und ist es, das Gebiet von den  Ukrainern zu befreien.

Eine Einwohnerin des Dorfes Peremoha in der Region Kyjiv berichtete, wie sie ihr Haus durch den  russischen Frieden verloren hat und wie die russischen Soldaten ihre Familie behandelt haben.

«Es gibt Fotos davon, wie es hier war…», — erzählt die Einwohnerin von Peremoha, und kann ihre Tränen nicht zurückhalten.

«Ist hier ein Geschoss eingeschlagen?», — fragt die Journalistin.

«Ein Geschoss».

«Waren Sie hier?», — fragt die Journalistin und meint damit den Zeitpunkt, an dem das Geschoss das Gebäude traf.

«Nein. Wir wurden durch den ersten humanitären Korridor evakuiert. Und wahrscheinlich eine Woche, nachdem wir das Dorf verlassen hatten, hat uns unser Nachbar angerufen und gesagt, dass unser Haus zerstört sei. Ich habe jeden Tag diejenigen angerufen, die hier geblieben sind: «Wie läuft’s», — fragte sie. Alles war in Ordnung. Dann war es still, und dann haben sie gesagt, dass alles komplett verbrannt ist. Wir hatten die Treibhäuser dort schon abgedeckt. Vorher war alles einfach… Schauen Sie, was übrig geblieben ist», — weint die Besitzerin des früher so gepflegten und blühenden Hauses fast.

«Schauen Sie, Geschosse (Geschossfragmente – Anm. d. Red.), Schrapnelle… Und gestern hat es eine Nachbarin im Gemüsegarten gefunden. Hier ist ein Ziegelstein herausgefallen… Sie können reinkommen und es sich selbst ansehen», — lädt uns die Frau in die Ruinen ein.

«Haben sie erst alles ausgeraubt und dann gebrannt?», — fragt die Journalistin, denn Einheimische haben von umfangreichen Raubüberfällen auf die Häuser der Dorfbewohner berichtet.

«Ja, natürlich. Als wir noch hier waren, sind sie (russische Soldaten – Red.) immer herumgelaufen,  haben reingeschaut, den Hof betreten, mit uns geredet. Diejenigen, die als Erste gekommen sind, haben  in den Keller geschaut. Die ersten waren sechs Männer mit Maschinenpistolen, sie waren ruhiger,  normaler. Russen, offenbar aus dem zentralen Teil Russlands. Sie haben unsere Telefone überprüft, und  wir sind alle nacheinander aus dem Keller rausgegangen. Meine Mutter, die behindert ist, weinte: «Schießen Sie nicht auf uns, schießen Sie auf mich, lassen Sie die Kinder». Wir waren hier zu sechst. Dann sagten sie: «Schreibt «Zivilisten» an den Zaun und niemand wird mehr hierher kommen.

Sie sagten: «Wir sind gekommen, um euch zu befreien».

«Von wem? Wir leben ganz normal».

«Habt ihr vielleicht nichts zu essen?» (Russische Soldaten fragten – Red.)

Als sie in meinen Keller kamen, war alles mit Lebensmitteln angefüllt.

«Vielleicht haben Sie kein Brennholz?» (Russische Soldaten fragten – Red.)

«Was heißt das, kein Brennholz? – Reichlich. Ich habe alles, ich hatte überhaupt alles. Wir haben vier  Jahre lang das Haus gebaut, von morgens bis abends. Und dann diese Udmurten, oder wer auch immer  sie waren… Sie gingen immer weiter… Und als wir auszogen, zogen bei uns sofort einige ein. Es scheint  mir, dass sie… Wir hatten ein Fenster im zweiten Stock mit Blick auf das Feld. Entweder haben sie von  dort aus geschossen, oder sie haben dort einen Beobachtungsposten eingerichtet. Und auf dem Dach der  Garage, ob sie dort einen Beobachtungsposten eingerichtet haben oder von dort aus geschossen  haben, weiß nur Gott», — sagt die Hausbesitzerin.

«Kommen Sie rein…», — lädt sie uns in das ausgebrannte Haus ein und zeigt uns das Geschirr  auf der Treppe – alles, was nach den Russen geblieben ist. Das Geschirr ist ganz schmutzig, aber die  Dorfbewohner waschen es sorgfältig ab, denn nach dem März 2022 ist nichts mehr von ihrem Eigentum  übrig.

«Wir haben 40 Anhänger mit Müll abtransportiert. Die gesamte Ausrüstung (die nicht von russischen  Soldaten gestohlen wurde – Red.) wurde verbrannt. Wir hatten eine Vielzahl von Dingen. Wir haben alles  gekauft, weil wir hier leben mussten. Eine Granate hat hier eingeschlagen. Alles hier ist völlig zusammengebrochen. Die Tür wurde von innen mit Ziegelsteinen blockiert (die nach dem Einschlag  heruntergefallen sind – Red.). Wir haben hier schon alles ausgeräumt. Diese Wand, sehen Sie, sie ist  durchgebrannt. Wir müssen sie komplett abreißen», — sagte die Besitzerin.

Eine Bewohnerin einer anderen Straße im Dorf Peremoha hat auch die ersten Tage der Besatzung  überlebt, und als sie das Dorf verließ, wurde ihr Haus von russischen Soldaten ausgeraubt und  anschließend abgebrannt. Wir haben sie Anfang Juni besucht. Die Frau und ihre Kinder hatten ihr Haus  bereits Stein für Stein abgebaut. Sie haben alles sorgfältig auf einen Haufen gelegt, in der Hoffnung, ihr Haus wieder aufbauen zu können.

«Überall dort stehen normale Häuser. Und hier war das Epizentrum. Hier haben sie sich versteckt. Oh,  was da passiert ist… Wir mussten weglaufen. Wir haben junge Mädchen… Wir mussten nur  weglaufen», — erzählt die Frau.

«Sie haben aber niemanden verletzt, oder?», — fragt die  Journalistin. "(seufzt schwer) Nun, sie haben es nicht getan, aber wenn wir nicht geflohen wären,  hätten sie es getan. Und wir sind geflohen… Am 8. März (8. März 2022 — Red.), sind wir bis zum Ende  des Dorfes gelaufen, wo meine Freundin lebt. Sie sind nicht dorthin gekommen (russische Soldaten — Red.), es gibt dort ein Feld. Sieversteckten sich unter den Häusern. Mit Panzern versteckten sie sich   nter unseren Röcken. Sie waren keine Soldaten, sie waren einfach so… Sie haben vor unseren Augen  Drogen genommen, waren betrunken. Es ist furchtbar, besonders diese Augen (sie zeigt einen schmalen Ausschnitt ihrer Augen – Red.)», — sagt die Frau.

«Burjaten?», — fragt die Journalistin.

«Ja», — sagt die Frau.

«Und wie alt waren sie? Jung?», — fragen wir weiter.

«Ja, wie meine Enkelkinder», — bestätigt die Frau.

«Und Sie hatten keine Ahnung, dass es friedliche Menschen waren?», — fragt die Journalistin.

«Wir haben auf das Tor geschrieben: «Zivilisten», «Kinder». Niemand reagierte darauf. Sie waren betrunken und auf Drogen. Sie haben es nicht verstanden», — antwortet die Frau.

«Woher haben sie diese Drogen? Aus den Apotheken?», — fragt die Journalistin.

«Das weiß ich nicht. Vielleicht haben sie es mitgebracht. Welche Apotheken? Sie haben es bei sich», — erklärt die Frau.

«Die Apotheken wurden ausgeraubt", kommentiert die Journalistin und fragt: "Und
da war ein Panzer auf Ihrem Feld und ein «Störsender?».

«Ja. Dort war ein gepanzerter Mannschaftswagen. Und dort, wo es weiß ist, ist schon ein Grundstück  des Menschen, und sie haben dort ein Gerät ins Gebüsch gestellt, um Signale aufzufangen. Sie haben es  versteckt… Oh Gott, lasst das niemanden erleben», — beendete die Frau ihr Gespräch mit uns.

Während der Besetzung von Peremoha wurden hier mehr als ein Duzend der Dorfbewohner getötet.  Viele wurden gefoltert. Die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine hat russische Majore der 15.  motorisierten Schützenbrigade der russischen Armee, Alexander Wassiljew und Maxim  Krasnoschtschekow, verdächtigt, die Folterung von Zivilisten in Peremoha und die Hinrichtung von fünf  von ihnen angeordnet zu haben.

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